Experimente psychologie uni wien

Erfährt man einmal eine Belohnung, motiviert das für weitere herausfordernde Aufgaben, die nicht belohnt werden. Menschen gehen gerne den Weg des geringsten Widerstands, wenn es um kognitive Anstrengung geht — eine gängige Lehrmeinung in der Kognitionspsychologie. Die Studie ist aktuell in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science PNAS erschienen.

In den vorherrschenden wissenschaftlichen Theorien wird die Meinung vertreten, dass kognitive Anstrengung als unangenehm erlebt wird und Menschen versuchen, wann immer möglich diese zu vermeiden. Studien dazu fehlten bislang. In einem aktuellen Projekt des deutschen Spezialforschungsbereichs SFB "Volition und kognitive Kontrolle" widmeten sich nun Forschende der Universität Wien und der Technischen Universität Dresden dieser Frage.

Schon nach einmaliger Belohnung steigt die Bereitschaft zur Anstrengung. Die Belohnung wurde dabei direkt durch die Anstrengung bestimmt: Wenn sich eine Person bei schwierigen Aufgaben mehr angestrengt hatte, erhielt sie eine höhere Belohnung als bei einfachen Aufgaben, in denen sie sich nur wenig angestrengt hatte. In der Vergleichsgruppe wurde die Belohnung zufällig zugeteilt und war unabhängig davon, wie sehr sich jemand angestrengt hatte.

Wie Menschen lernen, sich beim Denken gerne anzustrengen

Beide Gruppen erhielten gleich viel Belohnung, aber nur die eine wurde gezielt für die Anstrengung belohnt, die anderen nicht. Im Anschluss bearbeiteten alle Testpersonen Mathematikaufgaben, bei denen sie selbst die Schwierigkeitsstufe der Aufgaben auswählen konnten, die sie bearbeiten wollten. Fazit: "Personen, die zuvor für Anstrengung belohnt worden waren, wählten im Anschuss schwierigere Aufgaben als Personen der Vergleichsgruppe, obwohl ihnen bewusst war, dass sie keine externe Belohnung mehr erhalten würden", erklärt Veronika Job von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien.

Um zu untersuchen, ob sich die Effekte einer anstrengungsabhängigen Belohnung erneut zeigen und verallgemeinern lassen, wurden fünf weitere Experimente mit insgesamt 1. Dabei erhielten die Personen in der Experimentalgruppe für schwierige Aufgaben eine höhere Belohnung als für leichte Aufgaben, unabhängig davon, wie gut sie die Aufgaben gelöst hatten.

Die Belohnung hing also wieder von der notwendigen kognitiven Anstrengung und nicht von der Leistung der Teilnehmenden ab. Es zeigte sich erneut, dass eine anstrengungsabhängige Belohnung dazu führte, dass die Personen in einer nachfolgenden Testphase, in der sie Aufgaben wieder frei wählen konnte, die schwierigeren Aufgaben bevorzugten, die mehr kognitive Anstrengung erforderten.

Diese Ergebnisse stellen die weit verbreitete Auffassung in aktuellen Theorien der Kognitiven Psychologie und der Neurowissenschaften in Frage, dass Anstrengung stets als unangenehm und kostspielig erlebt wird. Georgia Clay, Christopher Mlynski, Franziska Korb, Thomas Goschke und Veronika Job: Rewarding cognitive effort increases the intrinsic value of mental labor.

In: Proceedings of the National Academy of Science online im Lauf der Woche.

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