Themen psychologe

Durch die Pandemie sind wir alle mit existenziellen Fragen konfrontiert: Krankheit, Einsamkeit und Sterblichkeit. Themen, die bislang in der Psychotherapie eine viel zu geringe Rolle gespielt haben, findet Luise Reddemann. Im psylife-Interview erzählt die Psychoanalytikerin, warum wir alle aufgefordert sind, mehr hinzugucken - und was dabei helfen kann.

Dazu gehört, sich einzugestehen, dass wir selbst Betroffene sind - und damit einen Umgang zu finden.

Psychotherapie

Das war aber bislang nicht Mainstream. Ich denke, dass sich das historisch so entwickelt hat. Die psychodynamischen Therapien gehen auf Freud zurück. Ihm ging es um andere Themen, wie den Ödipus-Komplex.

Existenzielle Themen in der Psychotherapie – Im Gespräch mit unserem Autor Ralf T. Vogel

Die Verhaltenstherapie hat sich auch nicht um existentiellen Themen gekümmert, ebenso wenig wie die systemische Therapie. Das sind in Deutschland nun mal die zugelassenen Verfahren. Wenn man sich in Österreich und der Schweiz an Viktor Frankl orientiert, sieht das gleich ganz anders aus. Aber jetzt ist einfach klar geworden, dass alle, die in Therapie kommen, existenzielle Themen mitbringen.

Psychotherapie-Themen: Burnout, Depression & Angst

Leider ja. Dazu kommt, dass es oft einen undifferenzierten Blick auf existenzielle Themen gibt, so dass man sich auch nicht damit beschäftigen möchte. Dabei kann z. Wir sollten uns unbedingt selbst mit den existenziellen Fragen befassen. Wir lernen alle bis zum Ende unseres Lebens.

Offenheit in der Therapie: Wesentliches häufig ungesagt

Auch in unserer Profession sollten wir immer offen sein für neue Themen und uns als Lernende definieren. Das sind jetzt natürlich Themen — Krankheit, Einsamkeit, Sterblichkeit —, die nicht unbekannt sind, aber uns durch die Pandemie neu erfassen. Daher sind wir alle aufgefordert hinzuschauen. Es ist auch eine Aufgabe der Fachgesellschaften, das Thema anzubieten und es in den öffentlichen Diskurs zu bringen.

Wir sollten anerkennen, dass wir alle verletzliche und sterbliche Wesen sind, aber auch, wie reich uns das Leben beschenkt. Vergänglichkeit ist nicht nur Tod, sie ist auch eine Chance in Dinge hineinzuwachsen und zu mehr fähig zu sein als man dachte. Man könnte sich liebevoll damit beschäftigen und sich auch mit anderen Kulturen befassen. Beck und befasst sich mit diesen Themen.

Ich finde gerade die Beschäftigung mit den ostasiatischen Religionen oder Philosophien unglaublich hilfreich, denn dort ist viel mehr Akzeptanz. Für uns hat der Tod oft etwas Strafendes.