Chaotisch psychologie

Aufräumen: Warum Menschen unterschiedlich viel Ordnung brauchen: Spektrum der Wissenschaft

Wer nicht aufräumt, gilt als unstrukturiert. Deshalb bemühen sich die meisten doch immer wieder, Ordnung in ihre Kleiderschränke, auf den Schreibtisch und die Flurkommode zu bringen. Dabei hat Unordnung entscheidende Vorteile. Chaos hat entgegen seines schlechten Rufs auch einige Vorteile. Ordnung ist das halbe Leben — schon in der Kindheit hat man uns eingetrichtert, das Zimmer aufzuräumen.

Heute macht es im Büro gelegentlich der Chef, indem er allgemein daran erinnert, dass allzu viel Papier oder schmutzige Tassen und Löffel auf dem Schreibtisch weder bei Kollegen noch bei Gästen gut ankommen.

Psychologie: Sechs gute Gründe für Chaos

Was hat er nur? Aber eben nicht nur, sagt Kreativitätsforscher Rainer Holm-Hadulla. Entscheidend sei das Wort "noch". Denn alleine mit Chaos komme man nicht aus. Über viele Jahre hat sich der Psychotherapeut an der Uni Heidelberg mit dem Thema Chaos und Kreativität beschäftigt. Seine Erkenntnis: Man darf nicht nur Chaos in sich haben, sondern brauche auch Struktur und Gewohnheit, um sich auf Chaos einlassen zu können.

Ordnung ist also tatsächlich nur das halbe Leben. Aus vielen Studien wisse man, dass Künstler wie Wissenschaftler zielgerichtet, diszipliniert und strukturiert arbeiten und sich erst im entscheidenden Moment auf das Chaos einlassen. So schlecht wie ihr Ruf ist Unordnung aber nicht. Es gibt einige gute Gründe dafür, sich das Chaos nicht vollkommen vom Hals zu schaffen, sondern sich ihm derweil auch ruhig einmal lustvoll hinzugeben.

Chaos beflügelt Kreativität. Forscher der Universität Minnesota beispielsweise testeten das Verhalten von Studenten in sehr aufgeräumten und sehr chaotischen Räumen. Ihre Aufgabe: neue Einsatz- und Vermarktungsmöglichkeiten für Tischtennisbälle zu finden. Dabei zeigte sich: Die Chaos-Gruppe war deutlich origineller als die Gruppe aus dem ordentlichen Büro.

Forschung: Intelligente Menschen neigen zu Chaos, langem Aufbleiben und Fluchen

Die Probanden an den unordentlichen Schreibtischen fanden im Schnitt mehr Lösungen, die mit der Höchstpunktzahl ausgezeichnet wurden. Chaos kann also tatsächlich beflügeln. Unordnung befreit von Konvention. In einem weiteren Experiment entschieden sich die Probanden im Chaosraum auf einer Getränkekarte eher für die als "neu" statt für die als "klassisch" angebotenen Drinks.

Sie waren also experimentierfreudiger.