Pyromane psychologie
Stand: Von: Christian Reinartz. Kommentare Teilen. Im Kreis Offenbach häuften sich in den vergangenen Wochen Fälle von Brandstiftung. Kriminalpsychologin Lydia Benecke klärt auf, wie die Täter ticken. Im Fokus stehen dabei vor allem die Kommunen Heusenstamm und Hainburg im Kreis Offenbach.
Längst ermittelt die Polizei in Richtung eines Feuerteufels. Währenddessen halten die Menschen im Kreis Offenbach den Atem an und warten nur darauf, dass wieder die Sirenen losgehen. Wir haben deshalb mit der Kölner Kriminalpsychologin Lydia Benecke gesprochen. Sie erklärt, wie Pyromanen ticken, was sie antreibt und warum gerade Feuer sie so fasziniert.
Was ist Pyromanie?
Menschen, die Brandstiftungen begehen, tun dies aus unterschiedlichen Gründen, wobei unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt werden. Manchmal wird Brandstiftung als Mittel zur Erreichung eines bestimmten Ziels eingesetzt. Hierzu gehören beispielsweise Brandstiftungen im Rahmen von Versicherungsbetrug, wobei in diesen Fällen die finanzielle Bereicherung im Vordergrund steht.
Manche Menschen begehen Brandstiftung auch im Rahmen einer anderen Straftat, um deren Beweismittel zu vernichten.
Pyromane: Filme und Serien
Brandstiftung kann aber auch ein Mittel des Vandalismus sein oder genutzt werden, um sich zu rächen. Aber diese Motive stehen bei den aktuellen Fällen im Kreis Offenbach nicht im Fokus der Ermittlungen. Für einige Menschen ist die Brandstiftung an sich das Ziel. Manche erleben hierdurch eine Form von Kick oder bauen innerer Spannung ab oder fühlen sich durch die Brandstiftung mächtig und hierdurch aufgewertet.
Grundlage von Brandstiftungen kann aber auch eine Mischung von Motiven sein. Die Forschung zum Thema verlief über lange Zeit eher schleppend, doch in den vergangenen beiden Jahrzehnten haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Modelle zum Themengebiet der Brandstiftung und ihrer Hintergründe deutlich zugenommen.
Feuerwehrmänner als Brandstifter: Erst legen, dann löschen
Inzwischen geht man davon aus, dass es nicht eine Ursache für Brandstiftungen gibt, sondern vielmehr komplexe Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Risikofaktoren in jedem einzelnen Fall eine Rolle spielen. Einige der möglichen Risikofaktoren sind Schwierigkeiten damit, die eigenen Gefühle angemessen zu regulieren und Probleme zu lösen, ein niedriges Selbstwertgefühl, persönliche Erfahrungen mit Feuer sowie aktuelle Schwierigkeiten, die negative Gefühle auslösen.
So könnte beispielsweise jemand, der häufig stark negative Gefühle empfindet, den eigenen Problemen hilflos gegenübersteht und sich von anderen leicht gekränkt fühlt, nach einem aktuellen Misserfolgserlebnis Brandstiftung dazu nutzen, um sich einen stimmungsaufhellenden Kick zu verschaffen, sich zu rächen und sich gleichzeitig durch das Gefühl von Macht aufzuwerten.
Manche Menschen, die Brandstiftungen begehen, entdecken irgendwann in ihrem Leben eine Faszination für Feuer. Sie nehmen es als angenehmen Sinnenreiz wahr, durch den sie sich besser fühlen.