Psychologe oscar friedmann

Kurz nach Kriegsende, im August , wurden etwa Kinder und Jugendliche von Theresienstadt aus über Prag nach Windermere in Nordengland verschickt, um dort ein neues Leben zu beginnen. Nur vier Monate hatten Psychologen und freiwillige Helfer Zeit, um sie in die neue Freiheit zu führen. Ein Bus nähert sich einem Lager. Es sieht auf den ersten Blick aus wie das Vernichtungslager Buchenwald.

Aber es gibt "keine Suchscheinwerfer, keine Wachtürme, keine elektrischen Zäune, kein Krematorium", sagt einer der Jugendlichen, die dem Bus entsteigen. Die Jugendlichen sind jetzt, im August , in Nordengland, in Windermere.

Sommer 1945 - eine Wiedergeburt

Eine britische Wohlfahrtsorganisation hat sie mit Einwilligung der Regierung aufgenommen. Insgesamt waren es nahezu 1. Bis es zu diesem hoffnungsvollen Ende kommt, bekommt der Zuschauer in dieser Koproduktion von BBC und ZDF, die eigens zum Jahrestag der Befreiung des Konzentartionslagers Auschwitz zustande kam, viel Anschauungsunterricht darüber, wie das gewesen ist damals - Menschen wurden aus der Hölle befreit und sollten nun herangeführt werden an ein normales Leben.

Anlässlich des Tags zuvor begangenen Holocaust-Gedenktags wiederholt 3sat "Die Kinder von Windermere" zur besten Sendezeit. Nur vier Monate bleiben dem deutschen Psychologen Oscar Friedmann, der selbst in einem Waisenhaus aufwuchs und später in einem Heim für schwer erziehbare straffällig gewordene Jugendliche arbeitete, um die Jugendlichen, im Film leider immer wieder "Kinder" genannt, an ein neues Leben in Freiheit zu gewöhnen.

Sommer 1945 - eine Wiedergeburt

Ich applaudiere euch allen! Er sei sich vorgekommen "wie im Himmel", sagt einer der Befreiten zu Beginn aus dem Off. Doch der Himmel sieht anders aus. Nicht nur, dass das Lager, das gerade von Flugzeugarbeitern geräumt worden war, den früheren Lagern gleicht. Noch einmal trennen die Ärzte - "Mädchen rechts, Jungen links!

Sie werden desinfiziert wegen Typhusgefahr, die Kleider werden verbrannt, sie stehen in der Unterwäsche da, morgen erst soll es neue Kleider geben. Auch England war damals arm. Dass es auch nach grauenvollsten Erlebnissen nicht selbstverständlich war, in England aufgenommen zu werden, veranschaulicht der Film in der Kürze, die ihm zur Verfügung steht.

Da muss schon einmal eine Nachbarin mit ihrem Hündchen eine Gruppe von Kleinkindern erschrecken und ihre Zweifel darüber kundtun, ob das mit dem Flüchtlingslager so richtig und angemessen sei.

Die Kinder von Windermere –

Es ist die Stunde des Psychologen, den Thomas Kretschmann als väterlichen Betreuer mit beharrlichem Understatement spielt. Er faltet die einheimischen Pöbler zusammen, lässt sie den Arm gen Himmel strecken und erklärt ihnen, was den Jungen alles an Schrecklichem widerfahren war. Einer hat sich soeben in die Hose gemacht.

Weil er aber die ganze Geschichte erzählen will, die der Betreuer und die der Überlebenden, vom Verlust der Familien und der allermeist vergeblichen Suche nach ihnen, bleibt der Film von Simon Block Drehbuch und Michael Samuels Regie eher eine informative Skizze als ein in sich abgerundetes Werk. Die Jugendlichen von damals sind heute ältere Herren, die mit dem Leben zurechtgekommen sind.

Die Freundschaften von damals halten bis heute. Einer der Jungen aber, der zunächst gar nicht aus dem Bus steigen wollte, hat es im Film anders gesehen.