Psychologie der apokalypse
Die in der Psychotherapie sonst eigentlich recht fröhlich wirkende jährige Studentin erzählt von ihrer zweijährigen Tochter und ihren Zukunftsplänen.
Bereit für die Apokalypse: Was sich hinter der Psyche von Preppern verbirgt
Plötzlich wird die Stimme leiser, ihre Miene verdunkelt sich; sie wechselt das Thema. Dezember — und die Schwiegereltern auch", fährt sie dann mit gedrückter Stimme fort. Die plötzlich eingetretene Stille lastet schwer im Raum. Der aus dem Maya-Kalender erschlossene Apokalypsetermin beschäftigt aber nicht nur die Patienten des Psychotherapeuten.
Im Internet fanden sich zu diesem Thema Tausende von Seiten und Foren mit Millionen von Nutzern, und der auf Katastrophenszenarien spezialisierte Filmemacher Roland Emmerich machte "" zum Titel seines jüngsten Untergangspektakels. Die Auslegung des Maya-Kalenders wird sich, ebenso wie unzählige frühere Prophezeiungen unseres unmittelbar bevorstehenden Untergangs, als hinfällig erweisen.
Auf neuerliche Ankündigungen der Apokalypse werden wir indes nicht lange warten müssen. Wenn eine Vorhersage mit Sicherheit zutreffen wird, dann diese: Auch künftig werden wir durch die Medien mit immer neuen Untergangsszenarien überschwemmt werden. Der Soziologe Frank Furedi spricht in diesem Zusammenhang von einer "Kultur der Angst". Er schreibt, es habe "noch nie eine so massive Anhäufung von Angstkampagnen wie in den letzten 25 Jahren gegeben.
Die Apokalypse aus psychologischer Sicht – Angst und Faszination | Weltuntergang |
Ständig scheint irgendwo das Überleben des Planeten auf dem Spiel zu stehen. Deshalb wird ein Akt der Panikmache auch so häufig durch ein widerstreitendes Schreckensszenario konterkariert. Apokalypseängste haben aber, wie wir in der Folge noch sehen werden, seit Jahrtausenden die Menschen beherrscht, wenn wohl auch nicht in einer solchen Anzahl unterschiedlicher Inhalte wie heute.
Für Furedi sind die inszenierten und künstlich hoch gepuschten Zukunftsängste ein Instrument der politischen Meinungsmache und Steuerung, wo sich unterschiedliche Interessengruppen im Kampf um das Geld und das Meinungsmonopol gegenseitig mit immer dramatischeren Szenarien zu überbieten suchen. Auf der Strecke blieben dabei der "Glaube an die Menschen und an die Zukunft".
Für manche Soziologen ist Angst ein gesellschaftlich induziertes Phänomen: "Angst geschieht nicht einfach. Sie ist sozial konstruiert und wird dann von denen manipuliert, die sich davon Vorteile versprechen. Aus psychologischer Sicht ist dem entgegen zu halten, dass Angst zur Grundausstattung der menschlichen Existenz gehört, unsere Flucht- und Überlebensimpulse steuert, wobei wir uns an dieser Stelle aus Platzgründen nicht weiter mit der Unterscheidung zwischen der ursprünglichen Furcht und der unspezifischeren Angst befassen können.
Das Bewusstsein von der eigenen Sterblichkeit und die Unfassbarkeit unseres unvermeidlichen Todes führt zur Todesangst als Kern aller menschlichen Ängste.
Die Liebe und ihre apokalyptischen Reiter
Der eigene Tod oder auch der eines geliebten Menschen bei gleichzeitiger Weiterexistenz der Menschheit, des Lebens an sich, sind so schwer vorstellbar, dass sie an Fantasien von wie auch dem Wunsch nach einem allgemeinen Untergang und dem Verschwinden der menschlichen Spezies überhaupt gekoppelt werden. Der eigene Tod ist die unvermeidliche persönliche Apokalypse, bedarf des Trostes und der Erklärung.
Das Bewusstsein der Begrenztheit des eigenen Daseins zwischen Geburt und Sterben, die Fragen nach Warum und Wohin, was war zuvor und was wird danach sein, sind die Quellen aller Religionen. Die Angst vor dem Weltuntergang ist Bestandteil von Mythen und Religionen in fast jeder Kultur, besonders aber unserer westlichen, deren Wertvorstellungen und Moral ganz entscheidend von christlich-alttestamentarischen Darstellungen geprägt sind.
Prägend für die christliche Sicht der Apokalypse ist allerdings die Hoffnung auf das Danach. Gewünscht wird letztendlich nicht der Weltuntergang, sondern die Reinigung, die Wiederauferstehung, in der das eigene Überleben in einer nun besseren Welt erhofft wird.