Psychologie des krimi-schauens

Diplom-Psychologe Stephan Lermer erklärt, warum wir den ARD-Krimi lieben.

Faszination "Tatort": Darum lieben wir den ARD-Krimi

Nie war der Tatort so erfolgreich wie heute. Dabei sah es Ende der 90er-Jahre eher so aus, als habe die Krimireihe ihre besten Zeiten hinter sich. Doch das Auslaufmodell verwandelte sich erneut zur echten Wunderwaffe. August freut. Das liegt zum einen an der sogenannten Angstlust. Der Grund, aus dem wir auf der Wiesn für die Achterbahn zahlen.

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Zudem fiebern wir mit, wissen aber, dass wir jederzeit aussteigen können. Lermer: An sich ist das ja eine sehr staatstreue Krimiserie, erzählt aus der Sicht der Kommissare. Den Kriminellen wird klargemacht: Ihr habt keine Chance. Überspitzt gesagt: Der Münsteraner Pathologe findet anhand einer Wimper auch die Telefonnummer des Verbrechers heraus.

Die Zuschauer sind Voyeure beim bösen Geschehen und haben gegenüber den Kommissaren immer ein wenig Wissensvorsprung. Er setzt auf den Wiedererkennungseffekt und darauf, dass die Zuschauer dabei sein wollen. Lermer: Richtig. Wir Menschen wohnen ja in Gewohnheiten. Deshalb freut man sich vorher schon auf das lieb gewonnene Tatort-Ritual. Am Samstag war man im Baumarkt oder bummeln, am Sonntag schläft man aus und langweilt sich.

Lermer: Das könnte man so sagen. Die Tatort-Teams sind ja auch immer schwierige Zweierkombinationen. Die Teams haben eine Gruppendynamik wie in einer Ehe, letztlich ist alles immer von Liebe und Humor getragen. Man reibt sich, aber man braucht einander, wie viele Ehepartner auch. Mein Rat in Ehekrisen: Tatort schauen oder gemeinsam Achterbahn fahren. Das verbindet ungemein. Tatort: Letzte Tage Auf der Autofähre zwischen der Schweiz und Konstanz stirbt ein Mann.

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